gegen burschenschaften in münchen und überall – 16.07.2011

Burschenschaftliche Anfänge

Der Burschenschaftsgedanke hat eine lange nationalistische Geschichte, die bis ins frühe 19te Jahrhundert zurückreicht. Bezeichnender Weise diente schon der 1815 gegründeten Urburschenschaft „Ehre, Freiheit, Vaterland“ als Motto. Damit ging die Idee eines geeinten „Großdeutschland“ einher. Die „Urburschenschaft“ bestimmte, dass nur ein „Deutscher“ und „Christ“ Burschenschaftler werden könne. Die Idee der „großdeutschen Nation“ war schon damals mit Antisemitismus gekoppelt. 1820 wurde der Ausschluss der „vaterlandslosen Juden“gefordert, welcher in den 1880er Jahren in den österreichischen Verbindungen und 1920 innerhalb der Deutschen Burschenschaften durch den sogenannten „Arierparagraphen“ realisiert wurde. 1817 wurde auf dem Wartburgfest ein Grundstein für den deutschen Gründungsmythos gelegt. Die Teilnehmer einte unter anderem der gemeinsame Hass auf Frankreich und die damit assoziierten aufklärerischen Ideen der französischen Revolution, sowie die Vorstellung einer „deutschen Nation“.
Der völkische Nationalismus der Beteiligten gipfelte in der Verbrennung von Büchern jüdischer Autor_innen und Literatur der französischen Revolution. In der Folgezeit versuchten die Burschenschaften ihre Vorstellungen eines „deutschen Reichs“ mit Aufständen und Attentaten im bewaffneten Kampf durchzusetzen. 1848 wurden die Farben der Burschenschaften als Nationalfarben übernommen.

„Was wir seit Jahren ersehnt und erstrebt und wofür wir im Geiste der Burschenschaft von 1817 jahraus, jahrein an uns gearbeitet haben, ist Tatsache geworden.“ (Burschenschaftliche Blätter 1933)

Der Nationalsozialismus wurde von den Burschenschaften in Deutschland sowie in Österreich begeistert aufgenommen, da sie darin die Verwirklichung ihrer angestrebten Ziele sahen. Die meisten Burschenschaften wurden im nationalsozialistischen deutschen Studentenbund zusammengefasst, und nicht wie viele Burschenschaften heute behaupten zur Auflösung gezwungen bzw. verboten.
In Österreich feierten die Burschenschaften den Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland mit dem Aufzug von Hakenkreuzfahnen. Die Berufung heutiger Burschenschaften auf vereinzelte angebliche „Widerstandskämpfer“ verfälscht ihre Rolle während des Nationalsozialismus und dient zur Reinwaschung des Burschenschaftsmilieus.

Die Burschenschaften in der Nachkriegszeit und heute

Nach Verbot des deutschen Studentenbunds durch die Alliierten gründete sich 1950 die Deutsche Burschenschaft neu. Der Antrag auf Fusion der Deutschen Burschenschaft (DB) mit der Deutschen Burschenschaft Österreichs (DBÖ bis 1959 Allgemeiner Delegierten Convent) zu einer grenzübergreifenden Burschenschaft fand auf dem Burschentag 1961 keine Mehrheit. Daraufhin gründete sich die Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG). Im gleichen Jahr schändeten zwei Burschenschafter einen jüdischen Friedhof in Innsbruck.

Im sogenannten Südtiroler Terror spielten Burschenschaften aus Österreich eine entscheidende Rolle. Besonders die Wiener Burschenschaft Olympia um Norbert Burger, welche von 1961-1973 verboten war, trug zur vermehrten Gewalt gegen Zivilist_innen in dieser Zeit bei. Die Gewaltbereitschaft der Burschenschafter äußerte sich auch 1965 bei einem Angriff auf eine antifaschistische Demonstration in Innsbruck gegen den antisemitischen Professor Taras Borodajkewycz in Innsbruck. Der Antifaschist und KZ-Überlebende, Ernst Kirchweger, wurde im Zuge der Attacke von Burschenschaftern ermordet.

Rassistische und antisemitische Einstellungen sind bis heute ein wesentlicher Bestandteil der Burschenschaften. Bekannt wurde der Fall des britischen Holocaustleugner David Irving, der 2005 in Österreich verhaftet wurde, als er gerade auf dem Weg zu einem Vortrag bei der Wiener Burschenschaft Olympia war.


„Denk‘ ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,“ (
Heinrich Heine)

Die Vorstellung der „deutschen Nation“ begründet sich in der rassistischen „Blut und Boden“ Ideologie, welche eine „Blutsverwandtschaft“ aller Deutschen postuliert. Das Verständnis einer „deutschen Nation“ als exklusives Kollektiv wurde schon in der Gründungszeit der Burschenschaften durch die Abgrenzung zum Judentum definiert. Die Nation wird anders als im von der französischen Revolution vertretenen Modell nicht als politische Willensgemeinschaft, sondern als natürliche Schicksalsgemeinschaft verstanden. Die mit dem deutschen Nationalismus einhergehende Ablehnung modernen Denkens spiegelt sich auch in der Unterwerfung des Individuums unter völkische Interessen wieder. Innerhalb der Burschenschaften ist das Mensurfechten ein Ritual, mit dem die Bereitschaft, sich einer Gemeinschaft zu unterwerfen bewiesen werden soll. Indem das Individuumn seine körperliche Unversehrtheit opfert wird es ein vollwertiger Teil des Ganzen. Dieser Gemeinschaft liegen militaristische Werte wie Gehorsam, Männlichkeit, Uniformierung und lebenslange Treue zugrunde.
Aufgrund des Ideals eines „Großdeutschen Vaterlandes“ erkennen die meisten Burschenschaften die Grenzen der BRD bis heute nicht an. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass der Festkommers der Burschenschaftlichen Gemeinschaft ursprünglich im Sudetendeutschen Haus stattfinden sollte. Die Vertriebenenverbände teilen mit den Burschenschaften die revisionistischen Vorstellungen eines wiedervereinigten „Großdeutschen Reichs“. So fühlen sich Burschenschaften aus verschiedenen Ländern immer noch als Teil eines „Großdeutschland“. Der FPÖ Nationalrat und Mitglied der Olympia Wien, Martin Graf, äußert sich folgendermaßen dazu: „Die heutigen Staatsgrenzen wurden willkürlich gezogen, das deutsche Volkstum muss sich in Europa frei entfalten können.“

Diese völkischen Vorstellungen gehen einher mit einem rassistischen Weltbild. Das zeigte sich auch erst kürzlich am Verbandstag der Deutschen Burschenschaft 2011 in Eisenach, als die Burschenschaft Raczeks zu Bonn in einem Antrag die Wiedereinführung eines „Arierparagraphen“ forderte. Zusätzlich zu den ohnehin schon rassistischen Aufnahmebestimmungen, wonach ein Bewerber seine Angehörigkeit zum „Deutschen Volk“ nachweisen muss, sollte in Zukunft auch die Zugehörigkeit zu einer „populationsgenetischen Gruppierung“ überprüft werden.

Die deutsche „Auseinandersetzung“ mit der Geschichte

Die bürgerliche Geschichtsschreibung versucht nach wie vor die deutsche Historie reinzuwaschen.
Bis heute wird das Wartburgfest im Geschichtsunterricht in den Schulen als Gründungsmythos der „deutschen Nation“ und als revolutionär demokratisches Moment der deutschen Geschichte verklärt. Die reaktionären und antisemitischen Bücherverbrennungen werden schlichtweg verschwiegen. Der völkische Nationalismus und der damit einhergehende Rassismus und Antisemitismus sowie die Ablehnung der französischen Revolution einte die Beteiligten. Dass diese Umstände nicht in einem kritischen Licht gesehen werden ist bezeichnend für das deutsche Geschichtsverständnis. Eine kritische Aufarbeitung der deutschen Geschichte ist nach wie vor unerwünscht.


2 Antworten auf „gegen burschenschaften in münchen und überall – 16.07.2011“


  1. 1 Burschis immer rechter « medium – wenn schon n3rd, dann richtig! Pingback am 12. Juli 2011 um 11:54 Uhr
  2. 2 Proteste gegen Burschenschaftskommers in München « Infogruppe Rosenheim Pingback am 12. Juli 2011 um 12:39 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.